Über den Film

Dieser Film basiert auf meinen persönlichen Erlebnissen und Beobachtungen als Kameramann und Filmemacher zwischen dem 3. Oktober 1989 und dem 3. Oktober 1990 in der damals noch DDR. Er folgt erneuten Besuchen von Orten und Menschen zehn Jahre später um das Jahr 2000 und sucht die Wiederbegegnung mit ihnen im Heute.

Meine ersten direkten Begegnungen mit DDR-Bürgern in dieser spannungsgeladenen Zeit hatte ich bei Dreharbeiten für das ZDF in der überfüllten Prager Botschaft. Niemand hatte eine Antwort auf die Frage wie sich das alles entwickeln würde. Den Ostblock mit Gorbatschow und seiner Perestroika konnte niemand einschätzen. Das erste Mal in Sachsen, erlebte ich hautnah den Kohl-Besuch in Dresden. Dieser Tag ging auch an mir nicht spurlos vorüber.

Nach dem Fall der Mauer war ich dann regelmäßig für das ZDF in der DDR unterwegs und drehte Beiträge, die meistens von der aktuellen Situation geprägt wurden. Vieles was mich damals beeindruckte, oder oft noch mehr erschütterte, habe ich zwar gedreht, aber es wurde oft nur zur Randnotiz. Die große Politik stand im Vordergrund. Ich wollte mehr von diesem Land sehen und verstehen, als die schnellen Nachrichten hergaben. Von einem Land das mir trotz der gemeinsamen Sprache oft fremd war. Drei Tage bei den Besetzern während ihres Hungerstreiks in der Erfurter Stasizentrale ließen mich die Beweggründe dieser Revolution ein wenig besser verstehen. Es war eben nicht nur die Unfreiheit, sondern es war auch die hemmungslose Zerstörung der Umwelt, die Angst um die Gesundheit und die Zukunft der Kinder, die den Nährboden für den Widerstand bildete.

In diesem, in kurzen Schlaglichtern zusammengefaßten Anfangsteil sollen noch einmal die heute weitgehend verdrängten Ängste dieser Zeit zum Tragen kommen.Sie sind vielfach aus dem Bewußtsein unserer Zeit verschwunden und die Erinnerungen sind schwach, wie sich damals waffenstarrend die Ost- und Westmächte gegenüber standen. Niemand war sich sicher, ob das alles friedlich enden kann.

„5 vor 12“ titelten Gothaer Schüler den Beitrag über die Umwelt vor ihrer Haustür, den ich mit ihnen gemeinsam für das Kinderprogramm erarbeitete. Als die Kinder dann für einen weiteren Film einen Trabbi zur Zeitmaschine umbauten, gaben sie mir den letzten Anstoß, mit der Kamera den Zustand der Umwelt, das Leben in der DDR mit meinen Augen festzuhalten. Und ich wollte diese Zeitmaschine im Abstand von immer zehn Jahren wieder anhalten, um erneut zu dokumentieren. Als ich dann im Mai 1990 mit den Dreharbeiten begann, war schnell klar, das Land würde sich mit jedem Tag rapide verändern. Diese Zeitdokumente bilden die Plattform dieses Films. Aus ihnen und den erneuten Begegnungen im Jahr 2000 entstehen die Spannungsfelder zum Heute.